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Freitag, den 13. Mai 2011 um 13:31 Uhr

Wertungsgebiete

 

Die/der Wertungsrichter/in ist bemüht, durch eine objektive Wertung die jeweils besten Formationen durch den Vergleich ihrer positiven Leistungen in der jeweiligen Runde zu ermitteln. Als Hilfsmittel dient ihr/ihm hierzu in vier definierten Wertungsgebieten die Vergabe von Hilfspunkten (1-10). Die Wertungsgebiete untereinander sind gleichwertig.

Die Wertungsgebiete sind:
1. Präsentationsfähigkeit
2. Musikalität
3. Technik
4. Choreographie

1. Präsentation

Gewertet werden hier die Ausdrucksfähigkeit der Gruppe (Ausstrahlung, Dynamik), "erkennbares" Verständigen untereinander, aber auch die Sicherheit, mit der die Formation ihren Tanz zeigt sowie die Reaktionsgeschwindigkeit (wichtig bei Aussetzen einzelner Formationsmitglieder).

Die tänzerische Geschlossenheit soll ausschließlich mittels Musik-, Bilder- und/oder Tempowechsel erfolgen, weil dadurch die Durchgängigkeit gewährleistet ist. Die Durchgängigkeit eines Tanzes erfordert jedoch nicht unbedingt ein durchgehendes Musikthema. Einzelne Musikübergänge sollen jedoch durch eine neue Bewegungsart vom ersten Takt der neuen Musik an deutlich erkennbar sein.

Durchgängigkeit kann für gewöhnlich nicht gezeigt werden, wenn Übergänge bei Wechsel der Tempi, Wechsel der Musik oder Wechsel der Bilder schlecht choreographiert sind. D.h. wenn z.B. beim Übergang zwischen zwei Bildern die Tänzer an ihren Platz laufen, hat das nichts mit Tanzen zu tun. Die Durchgängigkeit ist nicht mehr gegeben, es entsteht ein Bruch. Es sollte also immer getanzt werden (auch tänzerisch gelaufen werden).

Der gesamte tänzerische Ausdruck einer Formation steht und/oder fällt jedoch mit der erkennbar gezeigten Lebensfreude. Das einzelne Formationsmitglied das in der Mitte oder sonst wo als Ausdrucksmittel eingesetzt wird, bedingt da auch die anderen tanzen und nicht nur zusehen.

2. Musikalität

In diesem Wertungsgebiet wird insbesondere darauf geachtet, ob alle Formationsmitglieder den Takt und Grundrhythmus des jeweiligen Tanzes richtig interpretieren und die einzelnen Musikstücke entsprechend dargestellt werden, d. h. stark rhythmische Musikteile sollen stationär oder räumlich progressiv, verhaltene auch entsprechend gezeigt und stark dynamische entsprechend expressiv getanzt werden.

Die Interpretation der Musik dient immer dazu, den Charakter des jeweiligen Tanzes auszudrücken. Dabei kommt es nicht an, ob es sich um ein durchgängiges Musikstück oder ein sich aus mehreren Musikteilen zusammengeschnittenes Stück handelt.

Das wichtigste in diesem Gebiet bleibt jedoch das rhythmische Tanzen der Gruppe.

3. Technik

Die Technik ist für viele Wertungsrichter/innen wohl der schwierigste Teil der Bewertung, da bei der Vielfalt der erlaubten Tanztechniken lediglich der Stand der koordinativen und motorischen Fähigkeiten sowie der Grad der Beweglichkeit der einzelnen Formationsmitglieder in den verschiedenen Gruppen miteinander verglichen werden können. Als Hilfsorientierungen dienen der/dem Wertungsrichter/in hier

die korrekte Bewegungsausführung

- klar erkennbare Elemente
- Gleichheit der Gruppe
So ist z. B. eine von allen Formationsmitgliedern korrekt ausgefährte einfache Drehung oft besser zu bewerten als eine nicht von allen exakt ausgeführte Doppeldrehung.

der Schwierigkeitsgrad

Multiplikationen von einzelnen Elementen oder auch Passagen sollten vermieden werden

- kein Bruch der Kombination zwischen Isolation und Bewegung

- korrekte Ausführung der Isolation, wobei es hierbei darauf ankommt, dass möglichst viele Körperteile gleichzeitig bewegt werden)

konstante Leistung

kein Leistungsabfall gegen Ende des Tanzes, wobei ein langsames Musikstück am Ende oftmals gefährlich sein kann, da leichter als bei einer schnellen Musik der Eindruck abfallender Leistung entstehen kann.

4. Choreographie und deren Ausführung

Bilder, gerade Linien und Reihen sowie Kreise sind im Jazz- und Modern Dance kein zwingender Bestandteil der Choreographie. Werden sie jedoch als Darstellungsform eingesetzt, so sollen sie in ihrer Eigenart auch klar erkennbar sein.

Unsymmetrische Bilder sollen ebenso gut lesbar sein; der/dem Wertungsrichter/in muss bewußt werden: "Das ist so gewollt".

Die zur Verfügung stehende Flächengröße sollte auch genutzt werden. Dies geschieht u. a. durch die Vielfalt der gewählten Formen im Raum. Die Variationsvielfalt in der Raumaufteilung ist daher besser zu bewerten als wenige stationäre Bilder. Eine gute Choreographie sollte daher z. B. nicht nur auf Sprünge oder Drehungen der ganzen Gruppe oder auch von Gruppenteilen aufgebaut sein; selbst dann nicht, wenn die Formationsmitglieder diese Bewegungsabläufe perfekt beherrschen.

Trotz all dieser Wertungskriterien kann es jedoch bei der offenen Wertung zu großen Diskrepanzen der einzelnen Platzvergaben durch die Wertungsrichter kommen. Plätze zwischen 1 und auch 6 für eine und die gleiche Formation sind keine Seltenheit.

Dies liegt jedoch einzig und allein an den einzelnen Sichtfeldern der Wertungsrichter/innen, die jeder für sich eigene Schwerpunkte setzen. Dies geschieht aber immer unbewußt und davon kann sich kein/e Wertungsrichter/in freisprechen, selbst wenn er versucht, noch so objektiv zu werden.

Differierende Wertungen zwischen 1 und 6 für eine Formation bedeuten auch nicht, daß die Wertungsrichter schlecht ausgebildet sind. Ein Wertungsrichterlehrgang vermittelt immer den neuesten Stand der Dinge und zeigt auch die neuen Trends auf. Wenn eine Formation jedoch noch nicht in der neuen Phalanx schwimmt, muß sie deshalb nicht befürchten, schlechter bewertet zu werden.

Alles in allem gibt auch der/die Wertungsrichter/in am Rand der Tanzfläche sein/ihr Bestes, damit die besten Formation des einzelnen Turniertages ermittelt werden kann.

 

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